Lesung mit dem Autor Reiner Engelmann

Es war keine gewöhnliche Geschichtsstunde für die Klassen 9c und 9d: Der Autor Reiner Engelmann war zu Gast, um aus seinem Werk „Der Fotograf von Auschwitz“ zu lesen. Mit leiser, eindringlicher Stimme erzählte er die Geschichte von Wilhelm Brasse, der im Konzentrationslager Zehntausende Menschen porträtieren musste. Im Klassenraum war es still und alle hörten gebannt zu, als die Originalstimme des Zeitzeugen Brasse aus den Lautsprechern erklang. Engelmann schilderte bewegend den Lebensweg des jungen Fotografen: Brasse, ein lebensfroher 22-Jähriger, der sich weigerte, für die Wehrmacht zu kämpfen, und so zum Häftling in Auschwitz wurde. Dort rettete ihm sein Handwerk das Leben – nach monatelanger Zwangsarbeit wurde er aufgrund seiner Kenntnisse in Passfotografie der Lagerfotograf. Seine Hauptaufgabe, bestand darin, die ankommenden Häftlinge für die Lagerkartei zu fotografieren. Insgesamt fotografierte er 40.000 bis 50.000 Personen.

Besonders packend war der Moment, als Engelmann von Brasses mutigster Tat berichtete: Kurz vor der Befreiung erhielt er den Befehl, alle Fotos zu vernichten. Er hörte damit auf, als er im Raum allein war. So überdauerten die Negative und Fotos als stummes Zeugnis dieser schrecklichen Verbrechen.

Unterstützt durch historische Fotos machte der Autor die Zerreißprobe zwischen Überlebenswillen und Menschlichkeit spürbar. In der anschließenden Fragerunde nahm sich Engelmann viel Zeit für die Schülerinnen und Schüler. Auf die Frage, warum er diese Bücher schreibe, antwortete er geduldig und ernsthaft – und hinterließ einen bleibenden Eindruck bei allen Beteiligten. Ein Geschichtsunterricht, der nicht nur Wissen vermittelte, sondern unter die Haut ging.